Körner und Können
Wieshofer Mühle
Caroline Krainz-Gasteiger & Lukas Krainz
Oberhofenweg 2
6380 St. Johann in Tirol
2025 - In einer Zeit der hochmodernen Lebensmittelproduktion und der vielfach verarbeiteten Nahrungsmittel behauptet sich bis heute auch im Tiroler Unterland ein ganz besonderes Produkt – und mit ihm der dazugehörige Beruf –, das so unscheinbar wie unverzichtbar ist: Mehl gehört zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln, und seine Herstellung zählt zu den ältesten Handwerksberufen überhaupt.
Doch trotz ihrer langen Geschichte und einer Reihe moderner Hilfsmittel verlangt die Müllerei bis heute eine Menge Fachwissen, technisches Verständnis und Fingerspitzengefühl. Lukas Krainz und Caroline Krainz-Gasteiger sind mit all dem reichlich ausgestattet, gehören die Geschwister doch zur sechsten Generation der Familie, die die Wieshofermühle in St. Johann in Tirol betreibt. Seit dem Jahr 1857 befindet sich das ehemalige Bauernhaus in Familienbesitz, die in der Zwischenzeit mehrfach erweiterte und modernisierte Mühle ist landesweit eine der letzten privat geführten ihrer Art. So wird das uralte Müllerhandwerk hier noch immer mit derselben Leidenschaft betrieben wie vor gut 170 Jahren.
Eine der wichtigsten Lektionen, die Caroline und Lukas schon im Kindesalter von ihrem Vater lernten, ist bis heute der Grundstein des Unternehmenserfolgs: Mehl ist nicht gleich Mehl. Je nach Verwendungszweck müssen Korn, Mahlgrad und Zusammensetzung genauestens angepasst und abgestimmt werden. So befindet sich mittlerweile für jedes erdenkliche Rezept das passende Mehl im
Repertoire, aus dem Bäckereien, Gastronomiebetriebe, Supermärkte und Kunden im Mühlenladen wählen können. Dazu überwacht Lukas den gesamten Produktionsprozess, von der Anlieferung des österreichischen Getreides über das Mahlen auf sogenannten Walzenstühlen bis zur Abfüllung des fertigen Mehls. Caroline hält derweil im Büro die organisatorischen Fäden in der Hand und unterzieht die Erzeugnisse ihres Bruders regelmäßig einer genauen Prüfung: In Küche und Backofen testet sie nicht nur die Eigenschaften jeder Mehltype, sondern experimentiert auch mit Rezepturen.
Es ist vor allem die Wertschätzung für das als so selbstverständlich wahrgenommene Produkt, die die Geschwister antreibt. Wer die Mühle betritt, erkennt auch als Laie sofort, wie viel Arbeit in einer einzigen Packung Mehl steckt – unter ohrenbetäubendem Lärm werden die Körner auf mehreren Etagen immer wieder gesiebt, gerüttelt, gemahlen und sortiert, bis das weiße Gold am Ende in der neuen Produktionshalle darauf wartet, in den Backstuben der Region seiner Bestimmung zuzukommen. Aus dem, was an Resten anfällt, stellt Lukas Futtermehl für die Viehwirtschaft her – und setzt auch dabei auf Individualität: Jeder Kunde bekommt eine eigens auf seine Tiere abgestimmte Futtermischung.
So beweist die Wieshofermühle, dass altes Handwerk nicht immer dem technischen Fortschritt weichen muss. Und dass auch die einfachen, unscheinbaren Dinge kostbar sein können.







